CoverZu Kafkas Zeiten gab es zwar noch kein Internet, aber Pornos gab es damals auch schon, auf Papier, und Franz Kafka scheint Gefallen daran gefunden zu haben. James Hawes hat in englischen Bibliotheken gestöbert und Kafkas Pornosammlung gefunden.

Damit der Mythos Franz Kafka nicht völlig in der Banalität einer Pornosammlung versinkt, beeilt die Welt sich zu erwähnen, dass die Texte besagter Pornos von so würdigen Autoren wie Goethe, Casanova, Gottfried Keller, Rimbaud und Verlaine, Oscar Wilde und anderen stammten, die Illustrationen zum Beispiel von Beardsley und Rops.

Hawes sagt übrigens zu den Bildern: “Das sind keine neckischen Postkarten vom Strand. Das ist richtiger Porno, ganz einfach. Einiges davon ist recht finster, mit Fellatio durch Tiere und lesbischen Szenen. Es ist unschön.” (Times Online via Perlentaucher). Unschön und finster ist meines Erachtens eher, was Hawes sagt – lesbischen Sex gleichzusetzen mit solchen mit Tieren, als finster und unschön zu bezeichnen, hallo, geht’s noch??

Die Bilder und Texte sind im Internet leider nicht zu finden; sie sind in Hawes Buch „Excavating Kafka“ zu sehen sein, das gestern erschienen ist.

Kafka hielt seine Sammlung von seinen Eltern versteckt – das geht aus seinen Tagebüchern hervor. Eine interessante Frage ist, wie das Material nach seinen Tod so lange unentdeckt blieb. Vielleicht gab es unter den Kafkalogen ja einen Konsens, dass man an manchen Dingen besser nicht rührt. Hawes berichtet, dass sein amerikanischer Verleger das Buch zuerst gar nicht verlegen wollte.

Hawes Biografie stellt auch das beliebte Portrait Kafkas als eine gequälte und einsame Person in Frage, die zu ihren Lebzeiten unbeachtet in einem öden Job feststeckte und mit dem Schreiben kämpfte. Demnach war Kafka ganz anders: ein beliebter und gutbezahlter Staatsanwalt, dessen schriftstellerische Arbeit, von einer prominenten literarischen Clique unterstützt wurde. Erst gegen Ende seines kurzen Lebens wurde 1917 Tuberkulose bei ihm diagnostiziert und er verarmte, als nach dem ersten Weltkrieg die Wirtschaft zusammenbrach.

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