Eva Gabrielsson

Eva Gabrielsson. Foto: Nørrebro Teater

Die Architektin Eva Gabrielsson war 30 Jahre lang die Lebenspartnerin von Stieg Larsson. Die beiden lernten sich kennen, als sie 18 waren, 1972 beim Treffen einer Anti-Vietnamkriegs-Gruppe. Von 1974 bis zu Stieg Larssons Tod 2004 lebten sie zusammen. Geheiratet haben sie nie – vor allem deshalb, weil das schwedische Recht vorsieht, dass Paare dazu ihre Adresse öffentlich machen müssen. Sie hielten ihre Adresse jedoch geheim, weil sie immer wieder Morddrohungen von Nazis ausgesetzt waren. An Klingelschild stand immer nur Gabrielssons Name, nie Stieg Larssons. Nie veröffentlichten sie ihre Namen zusammen, z.B. auf einem gemeinsam geschriebenen Artikel, damit man keine Verbindung zwischen ihnen herstellen konnte.

In einem Interview erzählt Gabrielsson, wie sie über ihre Sorge, Stieg Larsson könnte etwas zugestoßen sein: “Ich habe ständig einen Anruf eines Krankenhauses oder der Polizei erwartet, dass er getötet wurde. Totgeprügelt, erstochen, erschossen…” Die Vorsichtsmaßnahmen, sagt sie, haben Stiegs Leben verlängert. Hier ist das Video mit dem Interview, in dem Eva Gabrielsson auch erzählt, was für ein Mensch Stieg Larsson war und wie ihr Leben nach seinem Tod zwischen Trauer, Medienaufmerksamkeit und Erbschaftsstreit verlief (schwedisch mit englischen Untertiteln):

Es kam alles ein wenig anders: Am 9. November 2009 erhielt Eva Gabrielsson einen Anruf von einem Kollegen Stieg Larssons – aus dem Krankenhaus. Stieg Larsson war zusammengebrochen. “Du musst herkommen”, sagte er. Gabreilsson nahm den nächsten Zug, der, wie sie sagt, “nicht sehr ‘nächst’ war”. Beim Umsteigen rief sie Stiegs Vater an. Er war nicht zuhause, also hinterließ sie eine Nachricht: Er solle nach Stockholm kommen. Seinem Sohn war etwas Schlimmes zugestoßen, sie wusste nicht, was genau. Das war um fünf Uhr. Als Stiegs Vater zwei Stunden später ankam, wusste Gabrielsson schon, dass Stieg Larsson, den sie kannte, seit sie achtzehn war, tot war. Der 50-jährige Larsson, ein starker Raucher, hatte einen Herzinfarkt erlitten, nachdem er über die Treppe ins siebte Stockwerk in sein Büro gegangen war (der Aufzug war kaputt). Er hat das Bewusstsein nicht wiedererlangt.

Für Eva Gabrielsson begann eine harte Zeit: “Zwei Monate lang ging es mir sehr schlecht. Es war keine Zeit gewesen, sich darauf vorzubereiten. Die Welt hatte sich von einem Moment zum nächsten verändert.” Zum Glück waren ihre Freunde für sie da: “Sie kamen einfach vorbei. Sie gingen früher von der Arbeit und kamen zu unserem Haus. Hast du schon gegessen, fragten sie. Ich weiß nicht, sagte ich. Sie brachten Wein und Kekse. Der Küchentisch war voll. Jeder war einfach da, legte mir Essen auf den Teller, füllte mein Glas auf. So ging es bis drei Uhr morgens. Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, ist das OK. Sei einfach da. Dann denkt man: Wenn sie existieren, dann existiere ich vielleicht auch.”

Am Tag, als Stieg Larsson gestorben war, sagte Stieg Larssons Vater ihr noch zu, dass Stiegs Erbe ihr zustünde: “Ich erbe gar nichts. Du warst seine Frau.” Sechs Monate später bekam sie einen großen braunen Briefumschlag. Die Dokumente darin besagten, dass Stiegs Hälfte ihrer gemeinsamen Wohnung zwischen Erland and Joakim Larsson, seinem Vater und Bruder, aufgeteilt worden war. “So erfuhr ich es.”

Buch kaufenEva Gabrielsson hat ein Buch über ihr Leben mit Stieg Larsson geschrieben: “Stieg & Me“.

Weiterlesen bei Teil 4: Der Streit um Stieg Larssons Erbschaft

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