Stieg Larsson: Revolutionärer Sozialist, Aktivist und Journalist

Stieg Larsson

Stieg Larsson. Foto: Stiftelsen Expo

Nachdem Stieg Larsson das Gymnasium abgeschlossen hatte, arbeitete er einige Jahre in wechselnden Jobs, unter anderem bei der Post. Seit dieser Zeit, Mitte der Siebziger, war er aktiv in der schwedischen linken Bewegung: Er engagierte sich beim Kommunistiska Arbetareförbundet (Kommunistischer Arbeiterbund) und war Herausgeber der trotzkistischen Zeitschrift Fjärde internationalen, der Zeitschrift des schwedischen Teils der Vierten Internationalen. Außerdem schrieb er unter dem Pseudonym “Severin” (der Vorname seines Großvaters) Artikel über Rechtsextremismus und US-Imperialismus für die Wochenzeitung Internationalen.

Einen Teil des Jahres 1977 verbrachte Stieg Larsson in Eritrea, wo er Frauen der marxistischen Eritreischen Volksbefreiungsfront die Bedienung von Granatenwerfern zeigte. Er musste seine Arbeit dort abbrechen, weil er sich eine Nierenkrankheit zugezogen hatte.

Nachdem er nach Schweden zurückgekehrt war, fand er 1979 seine erste feste Stelle als Grafikdesigner bei der größten schwedischen Nachrichtenagentur Tidningarnas Telegrambyrå (TT). Dort arbeitete er bis 1999 hauptsächlich in der graphischen Abteilung, schrieb aber auch Essays, Buchrezensionen und kleine Artikel. Neben dieser Arbeit für seinen Lebensunterhalt war Stieg Larsson jedoch weiterhin politisch aktiv.

Als Enthüllungsjournalist gegen Neonazismus und Rassismus

Searchlight Cover

Searchlight, britische antifaschistische Zeitschrift

1982 begann er, als Skandinavien-Korrespondent für die britische antifaschistische Zeitung Searchlight Magazine zu schreiben. Das Magazin veröffentlicht ausführliche Berichte über Rassismus, Antisemitismus und Faschismus v.a. in Großbritannien.

Stieg Larsson gefiel Searchlight so gut, dass er analog zur Searchlight-Stiftung in Schweden die Expo-Stiftung gründete, um dem Anstieg von Rechtsextremismus und “White Power”-Ideologie in Schulen und unter jungen Leuten entgegenzuwirken und um Demokratie und Meinungsfreiheit zu bewahren, indem sie die Aktivitäten nazistischer und rassistischer Gruppen in der Gesellschaft dokumentierten. Larsson wurde 1995 auch Herausgeber der Zeitschrift der Stiftung, dem Expo-Magazin. Expo ist das unverkennbare Vorbild für das Millenium-Magazin in Stieg Larssons Romanen.

Leben unter dauernder Bedrohung

Cover des Expo-Magazins

Das Expo-Magazin

Zu dieser Zeit hatte Stieg Larsson bereits jahrelang über Rechtsextremismus in Schweden recherchiert. Seine Recherche mündete 1991 in ein erstes Buch “Extremhögern” (Die extreme Rechte) zusammen mit Anna-Lena Lodenius. Mit seiner Arbeit trug Stieg Larsson entscheidend dazu bei, Informationen über schwedische nazistische und rassistische Organisationen zu dokumentieren und zu enthüllen. Oft wurde er zu Vorträgen und Diskussionen zu diesen Themen eingeladen. Er war genauso bereit, mit einer Schulklasse zu diskutieren wie einen Vortrag vor internationalen Politikern zu halten.

Durch seine politische Arbeit machte Stieg Larsson sich viele Feinde. Die Fensterscheiben von Expo wurden eingeworfen, Larsson erhielt Morddrohungen. Er traf Vorsichtsmaßnahmen. Er erlaubte es nicht, fotografiert zu werden. In Restaurants saßen er und seine Partnerin Eva Gabrielsson so, dass er einen Eingang im Auge hatte, sie den anderen. Und er arbeitete weiter.

Das folgende Video zeigt einen kurzem Ausschnitt aus einer ZDF-Dokumentation über Stieg Larsson. “Die Demokratie ist immer bedroht. Demokratie ist nichts Gottgegebenes und fällt nicht einfach vom Himmel. Dafür muss man arbeiten, jede Generation muss sich neu dafür einsetzen”, sagt er darin – in dem letzten Interview, das er gab.

Schreiben als Entspannung

Während er durch Arbeit bei Expo immer wieder Bedrohungen ausgesetzt war, war die Arbeit an seinen Romanen eine Entspannung für Stieg Larsson. Lose Enden zusammenzuführen, Charaktere zu entwickeln und sich Verschwörungen auszudenken stellte kein Problem für ihn dar, weil es schließlich alles fiktional war und niemand ihn oder Eva deswegen bedrohen würde.

Weiterlesen bei Teil 3: Eva Gabrielsson, die Partnerin von Stieg Larsson

Zur Übersicht über die Stieg Larsson Trilogie.

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