CoverPünktlich zu den Olympischen Spielen in China legt der schwedische Krimi-Meister Henning Mankell seinen neusten Wallander-Krimi vor: “Der Chinese” beginnt in einem kleinen Dorf in Schweden. Dort wurden 18 der 21 Bewohner auf bestialische Weise ermordet. Die Polizei ist überfordert und glaubt an die Tat eines Wahnsinnigen. Doch dann beginnt die Richterin Birgitta Roslin dem Fall nachzugehen – denn unter den Toten waren ihre Adoptiveltern. Sie nimmt an, dass die Tat minutiös geplant war. Ein roter Seidenfaden führt sie auf die Spur des Chinesen, ins Reich der Mitte und bis nach Simbabwe und Mosambik. Und auch sie fügt allmählich die Fäden zusammen und erfährt, wie die Morde mit einem Eisenbahnbau in den 1860er Jahren in den USA zusammenhängen, bei dem chinesische Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Die mitunter tödlichen innenpolitischen Kämpfe im China der Gegenwart zeichnet Mankell am Beispiel der chinesischen Geschwister Hong und Ya Ru nach. Während Birgitta Roslin den Fall löst, setzt sie sich gleichzeitig mit ihrer maoistischen 68er-Vergangenheit auseinander, in der sie große, ihr heute unverständliche Hoffnungen in Mao Tse Tung gesetzt hatte.

Henning Mankells neuer Krimi zeichnet sich dadurch aus, dass er mehr hergibt als nur eine Täterjagd: geschickt verknüpft er die Handlung des Krimis mit geschichtlichen und weltpolitischen Themen und brilliert mit Schilderungen von Ländern und Kulturen.

Wir begleiten die Protagonisten des Romans in einen Sitzungssaal, in dem die mächtigsten Personen Chinas über die Zukunft ihres Landes debattieren. Da in China die Bevölkerung arm ist und das Land knapp, denken sie darüber nach, Bauern nach Afrika auszusiedeln. Die Problematik ist keineswegs abwegig: China bezieht einen großen Teil seiner Rohstoffe aus Afrika – und das enorme Wirtschaftswachstum der Supermacht fordert eine Menge Rohstoffe. Dass dies eine Beziehung “auf Augenhöhe” ist, glaubt der Wahlmosambikaner Henning Mankell auch nicht und so arbeitet er seine Befürchtungen engagiert und gekonnt in seinen neuen Krimi ein.

Eine Warnung sei hier ausgesprochen: Wer einen Krimi will, der schnurstacks von A nach B führt, der sich mit Kriminalistik ohne jeden Seitenblick befasst, wird von dem “Chinesen” enttäuscht sein. Alle anderen dürfen sich auf eine spannende Reise machen, die auch literarisch überzeugt.

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Der Chinese (Henning Mankell) – Trailer