CoverDer Geschmack von Apfelkernen liegt einem auf der Zunge, wenn man diesen Roman liest. Gerüche, Räume, Gärten, das Knarren der alten Dielen, warme Sommerabende im Gras und wie es sich anfühlt, nackt im Moorsee zu baden – all das ist so anschaulich geschildert, dass man meint, selbst dortgewesen zu sein.

Iris kommt zur Beerdigung ihrer Großmutter in das norddeutsche Dorf Bootshaven, in dem sie die Sommer ihrer Kindheit verbrachte. Über dem Familientreffen und den Erinnerungen schweben viele Fragen und Geheimnisse aus der Vergangenheit. Iris, die das Haus ihrer Großmutter geerbt hat, weiß nicht recht, was sie damit anfangen soll und streift durch die Umgebung, trifft frühere Nachbarskinder, die inzwischen Anwalt sind, durchstöbert alte Truhen, schmeckt den Moder der Vergangenheit und den Geschmack von Apfelkernen.

Es ist eine magische Welt, die Katherina Hagena beschreibt, eine, in der rote Johannisbeeren über Nacht weiß werden, nachdem die Großmutter gestorben ist, in der ein Apfelbaum zweimal blüht, Dörfer verschwinden und die Rätsel der Vergangenheit überall gegenwärtig sind. Was geschah in der August-Nacht, in der Kusine Rosmarie tödlich verunglückte? Was hatte sie auf den Dach des Wintergartens gemacht und was hatte sie Iris noch sagen wollen? Iris beginnt zu ahnen, dass es verschiedene Arten des Vergessens gibt, und dass das Erinnern nur eine davon ist.

Wer auf Action steht, sollte die Finger von diesem Buch lassen. “Der Geschmack von Apfelkernen” lebt nicht vom Spektakulären, sondern von liebevollen Details und Anekdoten, von einem feinen Netz vieler Fäden, die sanft in vielen Farben schillern.

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