Eugen RugeFür seine DDR-Familiensaga “In Zeiten des abnehmenden Lichts” wurde Eugen Ruge mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Eugen Ruge spiegelt ostdeutsche Geschichte in einem Familienroman. Es gelingt ihm, die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen. Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen. Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus.

So begründete die siebenköpfige Jury ihre Wahl.

Es ist das zweite Mal, dass der Buchpreis an einen Roman über die untergehende DDR geht: 2008 wurde Uwe Tellkamp mit seinem Roman “Der Turm”, der in Dresden vor der Wende spielt, ausgezeichnet. Eugen Ruge erzählt, unterhaltsam und mit viel tragikomischem Humor, von einer Utopie, die Sozialismus hieß, von ihrer Pervertierung, von Hoffnungen auf ein besseres Leben, von Idealen und ihrem Scheitern.

Für die Jury ist die Wahl jedes Jahr ein Spagat zwischen der Auszeichnung literarischer Qualitäten und dem potentiellen kommerziellen Erfolg eines Buches. Denn verliehen wird der Deutsche Buchpreis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandel, und die Buchhändler hoffen jedes Jahr, dass ein Werk ausgezeichnet wird, dessen Verkäufe mit Hilfe des Sprungbretts “Deutscher Buchpreis” in die Höhe schnellen. Eugen Ruges “In Zeiten des abnehmenden Lichts” dürfte tatsächlich ein solcher Kompromisskandidat sein – aber mit dieser Einschätzung möchte ich das Buch nicht abwerten: Ruge zieht seine Leser soghaft in die Geschichte hinein, entwirft facettenreiche Charaktere, erzählt souverän eine komplexe Geschichte, und unterhält mit intelligenten Dialogen und einem ausgefeilten Humor. “In Zeiten des abnehmenden Lichts” verwendet eine konservative Erzählweise, ja, ist nicht experimentell, aber dafür lesbar.

5 weitere Finalisten auf der Shortlist

Ruge setzte sich gegen fünf weitere Finalisten der sogenannten “Shortlist” durch, gegen Jan Brandt mit dem Roman “Gegen die Welt”, Sibylle Lewitscharoff “Blumenberg”, Angelika Klüssendorf mit dem Buch “Das Mädchen”, Michael Buselmeier mit “Wunsiedel” (Das Wunderhorn) und Marlene Streeruwitz mit “Die Schmerzmacherin”.

Der Deutsche Buchpreis wird dieses Jahr zum siebten Mal verliehen. Jedes Jahr kürt die Jury damit den “besten Roman in deutscher Sprache”, wobei aus den von den Verlagen eingereichten Vorschlägen erst 20 Titel für die “Longlist” ausgewählt werden, aus diesen dann sechs für die “Shortlist”.

“In Zeiten des abnehmenden Lichts” ist verfügbar als:

Interview und Lesung mit Eugen Ruge

Eugen Ruge liest aus »In Zeiten des abnehmenden Lichts« im Paschen Literatursalon auf dem Stand des Börsenvereins und erzählt auch, wie er zum Rowohlt-Verlag kam, wie die Zusammenarbeit mit der Lektorin funktioniert und anderes: