Derzeit gilt das Urheberrecht bis 70 Jahre nach dem Tod der Urheber_innen. Die Grünen wollen es verkürzen – auf fünf Jahre nach Veröffentlichung des Werks. Der entsprechende Leitantrag dazu wurde auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen an diesem Wochenende angenommen.
Der Antrag sieht eine “anschließende, gebührenpflichtige mehrmalige Verlängerungsoption” vor. Heißt: Die Urheber_innen sollen für das Urheberrecht an ihren eigenen Texten bezahlen. Das lohnt sich für bei Hollywoodfilmen, für einen unabhängigen Dokumentarfilmer vermutlich nicht. Was wiederum dazu führt, dass die Masse der Filme, die heute illegal heruntergeladen wird, weiterhin geschützt bleibt (und damit bleibt das Herunterladen illegal – abgesehen davon, dass Leute, die einen Film sehen wollen, nicht fünf Jahren mit dem Herunterladen warten, nur weil es dann legal ist). Wer kein Geld hat (oder es nicht dafür aufwenden will), hat nach fünf Jahren keine Rechte mehr.
Der Staat allerdings nimmt damit Geld ein – direkt von den Kreativen, die jetzt schon prekär leben. Warum Autor_innen enteignen? Warum nicht Banken? Da wäre mehr zu holen!
Informationen sollen frei verfügbar sein
“Frei” heißt in diesem Kontext in erster Linie kostenlos. Ich denke auch, dass es der Gesellschaft nützt, wenn man einfach an alle möglichen Informationen kommt. Früher wurden dafür Bibliotheken geschaffen, heute haben wir durch das Internet mehr Möglichkeiten als je zuvor. Und das ist gut so. Ich genieße das und zweifellos profitiere ich – und wir alle – davon. Gleichzeitig lebe ich vom Schreiben und möchte das Urheberrecht an meinen Artikeln behalten, und zwar länger als fünf Jahre. Stehe ich damit der Informationsgesellschaft im Weg? Nein, verdammt! Meine Artikel sind kostenlos im Internet verfügbar. Aber ich möchte gern entscheiden, wo.
Der Kontext, in dem die eigene Arbeit veröffentlicht wird
Ich will nicht, dass nach fünf Jahren meine Artikel auf Scraper-Seiten auftauchen. Das liegt nicht nur daran, dass die Erträge aus diesem Blog mir zur Zeit meine Krankenversicherung bezahlen (ob die Grünen es schlecht finden, dass ich krankenversichert bin? Ich hoffe nicht). Es liegt auch daran, dass ich nicht will, dass meine Artikel auf fremden Websites veröffentlicht werden, auf denen zum Beispiel auch rassistische Inhalte zu finden sind.
Der Photojournalist Sascha Rheker benennt dieses Problem treffend:
“Es geht auch darum, daß ich bestimmen will, was mit meinen Werken geschieht. Es geht um die Integrität meiner Arbeit. Ich will nicht, daß jeder nach fünf Jahren meine Bilder benutzen kann, wie er mag. Ich will nicht, daß ein Bild, das ich nur machen konnte weil mir Menschen ihr Vertrauen geliehen haben in Zusammenhängen benutzt werden kann, die dieses Vertrauen enttäuschen. Ich will nicht das Wahlkampfplakatmotiv der NPD fotografiert haben, so wie andere ihre Naturfotos die sie für das Greenpeace-Magazin gemacht haben nicht als Motiv der Kampagne eines fragwürdigen Konzerns sehen wollen.”
Kommerzielle vs. nicht-kommerzielle Nutzung
Das Grünen-Papier sieht übrigens vor, dass eine nicht-kommerzielle Nutzung grundsätzlich nicht unterbunden werden kann. Die NPD müsste also bei der Nutzung eines Bildes für den Wahlkampf die fünfjährige Schutzfrist gar nicht abwarten. Das kann doch nicht sein! Übrigens ist es nicht einfach, kommerzielle und nicht-kommerzielle Websites voneinander abzugrenzen: Von außen sieht man nicht unbedingt, wie viel Geld mit einer Website verdient wird.
Rhetorische Tricks statt ehrlicher Diskussion
Ich will gar nicht behaupten, dass ich eine maßgeschneiderte Lösung parat hätte, die den unterschiedlichen Interessen gerecht wird. Mich ärgert es, dass der Grünen-Vorstand in dem Antrag den Eindruck zu erwecken versucht, dass ihr Vorschlag dies täte (“Wir wollen Kreativität fördern und Kreative nicht abhängen, sondern mitnehmen und Wege einer angemessenen finanziellen Teilhabe ermöglichen.”). Außerdem ärgert es mich, dass in der Klarstellung des Grünen-Vorstands der Eindruck erweckt wird, die Kritiker_innen gehörten sowieso zur Content-Mafia, sprich: das sind die Bösen! Mit-dem-Finger-zeig! So kann man eine gesellschaftliche Diskussion auch abwürgen – oder es zumindest versuchen.
Und einige Blogger versuchen sich mit Rhetorik-Tricks wie “innovativer” Antrag durch “rückständige” Änderungsanträge “gefährdet” – leider ist das noch keine inhaltliche Argumentation.
Ich fände eine differenziertere Auseinandersetzung gut: Nicht alle Urheber_innen sind die Content-Mafia und nicht alle, die ihr Urheberrecht behalten wollen, enthalten dadurch anderen etwas vor. Vielleicht sollten wir uns von der Fixierung auf das Urheberrecht lösen und statt dessen darüber reden, wie wir Inhalte nutzen wollen und inwiefern uns dabei jetzige gesetzliche Regelungen im Weg stehen. Dass sie manchmal im Weg stehen, weiß ich auch. Aber Pauschalisieren kann man das nicht.
Wovon leben?
Was mich sehr nervt, sind die Vorschläge der Urheberrechtsgegner, Kreative sollten von den Einnahmen aus Konzerten und Merchandising-Verkäufen leben. Natürlich gibt es ein paar große Stars, die davon leben können! Aber sollen Journalist_innen jetzt Konzerte geben oder Actionpuppen verkaufen, um davon zu leben? Wenn Journalismus gesellschaftlich so gering geschätzt wird, können wir ihn auch einfach abschaffen und durch Actionpuppen ersetzen.
Lutz Fischmann schreibt bei Freelens e.V., dem Verband der Fotojournalistinnen und Fotojournalisten, ganz treffend:
“Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass ihr überhaupt keine Vorstellung davon habt, wie es draußen im richtigen Leben der Kreativen aussieht. Wir bieten euch an, mal einen Monat an der Front zu arbeiten, sei es als Fotograf, Filmer, schreibender Journalist etc. Wir bringen euch dann auch bei, was Verlage so unter Honorar verstehen, wir übersetzen euch die seitenlangen Verträge, die ihr unterschreiben müsst um überhaupt einen Job zu bekommen und der euch aller eurer Rechte berauben wird. Während eures Praktikums bieten wir euch natürlich u.a. eine freie Verköstigung, denn ihr werdet euch das mit dem erzielten Honorar nicht leisten können.”
Die Kulturflatrate aus Sicht der Konsument_innen
Der Grünen-Antrag sieht zur Vergütung von Filesharing eine “Pauschalvergütung” vor. Die Idee ist nicht neu und wird anderswo auch “Kulturflatrate genannt. Warum gefällt vielen Leuten die Idee einer Kulturflatrate so gut? Weil es so klingt, als könnte man kostenlos downloaden, was die Internetverbindung hergibt. Genauer gesagt, klingt es so, als müssten die anderen einem den Medienkonsum bezahlen. Das Dumme ist: Wir alle sind die anderen. Derzeit sieht es so aus: Wenn ich in einem Monat wenig verdient habe, kann ich Geld sparen, indem ich nicht ins Kino gehe, keine Musik downloade, kein Geld in der Videothek lasse und Bücher aus der öffentlichen Bibliothek ausleihe. Wenn wir eine Kulturflatrate haben, geht das nicht. Ich bezahle so oder so. Würdet ihr eine Pauschalabgabe auf den Internetanschluss bezahlen wollen?
Ein Vergleich: Eine Student_innen-WG mit gemeinsamer Haushaltskasse. Eine Mitbewohnerin bekommt von ihren Eltern viel Geld und kauft Trüffelcreme und und Mandel-Cantuccini aus dem Bioladen. Ein anderer Mitbewohner hat nur wenig Geld und kauft entsprechend sparsam ein, er hält sich an Sonderangebote und kauft eher einen günstigen Gouda als einen Roquefort-Käse. Durch die gemeinsame Haushaltskasse zahlt er aber den Konsum seiner Mitbewohnerin mit, ob er es sich leisten kann oder nicht.
Ich vermute ja, dass die derzeitigen digitalen Kultur-Poweruser eher nicht in der Unterschicht zu finden sind. Die sitzen eher vor dem Fernseher. Aber so, wie die ältere Generation der bürgerlichen Mittel- und Oberschicht sich von der Allgemeinheit das Theater subventionieren lassen, wollen deren grüne Kinder jetzt, dass andere ihren MP3- und Videokonsum bezahlen. Ich habe dafür kein Geld.
Die Kulturflatrate aus Sicht der Kreativen
Ich kann mir keinen Weg vorstellen, wie eine Kulturflatrate gerecht an Kreativschaffende verteilt werden sollte. Sollen alle Downloads und Seitenabrufe überwacht und gezählt werden? Völlig unrealistisch und nicht wünschenswert. Und da ist noch etwas: Ich lebe vom Schreiben und ich will in puncto Einkommen nicht auf die Gnade einer Behörde angewiesen sein. Hätte ich das gewollt, wäre ich Beamter geworden. Wenn die Kreativen durch eine Kulturflatrate bezahlt würden, müssten sie ständig betteln und Lobbyarbeit betreiben, dass diese Vergütung auch hoch genug ist und halbwegs gerecht verteilt. Nun kann man sich vorstellen, wer Lobbyarbeit betreiben würde und wer betteln oder demonstrieren würde – und wie die Verteilung der Kulturflatrate aussehen würde. Es wäre nie gerecht.
Die Grünen und die Angst vor der Piratenpartei
Die Grünen schlagen das natürlich vor, weil sie keine Wähler_innen an die Piratenpartei verlieren wollen. Und da sie zur Zeit sowieso nicht an der Regierung sind, können sie den Leuten versprechen, was auch immer sie wollen. Denn auf eines kann man sich bei den Grünen verlassen und das stimmt mich optimistisch: Nach der Wahl machen sie sowieso nie, was sie vorher gesagt haben.
Fairerweise möchte ich noch sagen, dass der Antrag auch viele gute und sinnvolle Punkte enthält, z.B. die Festschreibung von Netzneutralität, die Bekämpfung der Abmahnindustrie, ein Recht auf Internetzugang, der Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit, keine Vorratsdatenspeicherung, keine heimlichen Online-Durchsuchungen und ähnliches. Dummerweise gilt auch für diese Punkte: Nach der Wahl machen sie nie, was sie vorher gesagt haben.
Diskussion im Netz
Der Grünen-Antrag zum Urheberrecht wird zur Zeit im Netz heftig diskutiert. Hier sind einige Pro- und Kontra-Stimmen:
- Sascha Rheker, ein Photojournalist, schreibt einen bissigen Artikel zum Grünen-Antrag, dem ich voll zustimmen kann: Die Gruenen wollen das Urheberrecht abschaffen…
- Meike Teichmann, eine Illustratorin, wertet den Vorschlag “für uns Kulturschaffende und die gesamte Kreativwirtschaft wie ein Schlag ins Gesicht. Uns wird, sollte der Antrag so durchgehen, die Lebensgrundlage entzogen”: Bündnis 90/Die Grünen und das Urheberrechtsgesetz. (Wenn ihr schon mal auf dem Blog seid, seht euch mal die Illustrationen an, die sind echt schön.)
- Wolfgang Michal, ein Journalist, stellt fest, dass weder die Grünen noch die Piraten bislang einen ernsthaften Dialog mit den Urhebern begonnen haben: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste Piratenpartei im Land?
- Der Blogger von “Hackentricks Universum” spricht von einem fahrlässigen Einschnitt in die Urheberrechte mit fatalen Konsequenzen: Grüne Netzpolitik – falsche Netzpolitik
- Stefanie Ernst von den Kulturstimmen.de, Plattform für kulturelle Vielfalt, befürchtet bei einer Umsetzung der Regelung massive Einkommensverluste von Kunst- und Kulturschaffenden: Die Grünen begehen riesigen Fehler: Kunst- und Kulturschaffende sollen geopfert werden
- Marcel Weiss von neunetz.com, ein Urheberrechtsgegner, sieht in dem Grünen-Vorhaben (er bezieht sich auf ein Positionspapier der EU-Grünen) ein “erfreulich nach vorn gerichtetes Positionspapier”, gibt aber zu, dass ein gesellschaftlicher Konsens dazu unwahrscheinlich ist: Modernes Urheberrecht: EU-Grüne wollen Filesharing legalisieren
- Dass kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung extrem schwierig zu unterscheiden sind, schreibt Torsten in seinem Notizblog. Sein Fazit: “Wer die Probleme mit dem Urheberrecht lösen will, muss neue Lösungen finden”: Europäische Urheberrechtsreform: Was heißt hier kommerziell?
- Petra van Cronenburg, eine Autorin und Übersetzerin sieht die Grünen als Möchtegern-Piraten auf Wählerfang: Die Grünen gegen ein ganzes Ökosystem
- Andi Popp, ein Mitglied der Piratenpartei, würde das Urheberrecht wahrscheinlich am liebsten ganz abschaffen. An dem Grünen-Antrag kritisiert er die Pauschalabgabe auf Internetanschlüsse und einiges andere: Ein Rant wider die grüne Urheberrechtspolitik
- Lutz Fischmann schreibt bei Freelens e.V., dem Verband der Fotojournalistinnen und Fotojournalisten: Die Grünen Piraten vergraben den Kulturschatz
- Elisabeth Mardorf, Autorin mehrerer Bücher, stößt der Antrag übel auf: Die Grünen gegen alle Kreativen und Künstler
- Mikael in den Fahrt, dem der Antrag nicht weit genug geht, fragt: Wieviel Netzpolitik steckt wirklich in den Grünen?
Wie seht ihr das? Wie gelingt ein fairer Interessenausgleich zwischen Kulturschaffenden und Kulturkonsument_innen?








10 Kommentare
Von Bürgern und auch Bloggern, die sich an einer Diskussion beteiligen, sollte man ein gewisses Maß an Verständnis verlangen können, wie Politik funktioniert und wie Parteien arbeiten, wenn diese denn mitreden wollen. Dann würde man Aussagen wie “Machen nach den Wahlen, was sie wollen” und überhaupt Verallgemeinerungen zu Parteien nicht so oft lesen müssen. Jeder kann seine Meinung haben und solche Aussagen können auch Meinungen sein, aber man sollte den Anstand haben, so einen Mist nicht auch noch in einem ellenlangen Text begründen zu wollen.
Ich verstehe die Position der Kulturpolitiker, wenn ich sie auch nciht teile und mich zu den grünen Netzpolitikern zähle. Man muss diese Meinung auch verstehen und sie macht ja auch durchaus Sinn. Genauso andere Positionen. Dsa zeigt aber bloss das Wesen des Streits, denn hier kann keiner der absolute Wahrheit für sich beanspruchen. Netzpolitik und damit auch Teile der Urheberrechts-Diskussion lassen sich nun einmal nicht links oder rechts einordnen und damit klar abgrenzen. Es gibt keine linke Netzpolitik, so wie es keine rechte oder konservative Netzpolitik gibt. Die Diskussion sollte deshalb auch ohne Scheuklappen geführt werden können.
Ich war kein Fan von den Änderungsanträgen und es ist meine Meinung, dass diese rückständig sind, aber deshalb sind die ja nicht falsch. Eine Schutzfrist von 5 Jahren zu fordern, war auch nciht falsch, durchaus progressiv und gerade deshalb so stark diskutiert. Der Kompromiss, über einen Zeitraum von 5 bis 20 Jahren zu reden, ist doch durchaus nachvollziehbar, hoffe ich zumindest. Die aktuellen 70 Jahre sind höchst unrealistisch und nicht mit Vernunft erklärbar, auch warum Erben innerhalb dieser 70 jahre Anspruch auf Urheberechte haben sollten. Dies muss sich wirklich ändern udn das hat eben nichts mit linker oder echter Politik zu tun, sondern mit Realitäten.
Und kein Grüner möchte Filme und Musik straffrei im Internet angeoten wissen, wenn dies gegen den Willen der Schöpfer ist. Vielmehr setzen wir uns freiwillige Lizensierung nach Creative Commons ein, wer das nicht machen will, soll auch seine Recht geschützt wissen, eben nur nicht für 70 jahre, sondern einen vernünftigen Zeitraum. Wir wollen bloss den Abmahnwahn stoppen und zwar nicht durch Legalisierung, sondern in dem wir neue Wege der Vergütung gehen. Die Kulturflatrate ist nicht der Stein der Weisen, aber ein Ansatz und mehr als andere Parteien bieten, die einfach auf striktere Gesetze und härtere Strafen setzen.
Die Grünen haben Angst um ein paar Wählerstimmen und springen auf den Zug des Urheberrechtes auf, weil die Piraten das auch machen. Das alleine ist schon erbärmlich, aber dann auch noch solche Forderungen überhaupt zu diskutieren, setzt dem ganzen die Krone auf.
Wir dürfen, gegen Gebühr, unsere Rechte nach 5 Jahren zurückkaufen, das ist aber nett! Wir sollen doch bitte schön ungehindert weiter so lustig kreativ sein und uns nicht mit Rechten befassen müssen. Immerhin mahnen wir zur Zeit alles ab, was nicht schnell genug aus dem Internet raus ist…
Das Urheberrecht sei zu kompliziert habe ich gelesen. Wenn man alles umsonst habe will, stimmt das, das geht nämlich nicht so einfach und das ist auch gut so. Von was sollen wir leben, wenn alle alles von uns in 5 Jahren doch eh frei nutzen können? Welcher Verlag zahlt denn noch etwas für ein Foto, einen Text, eine Illustration? Und wie großzügig, dass wir doch bitte alleine von Merchandising und Konzerten leben sollen.
Dann entwickel ich mal schnell die neue Didlmaus. Aber wozu, in fünf Jahren kann meine Maus eh jeder Hans und Franz nutzen. Es wird keine neuen Didlmäuse mehr geben, keinen zweiten Harry Potter, keine exklusiven Bildbände aus fernen Ländern, keine neue Musik. Das wäre so in etwa das Szenario, was sich die Grünen wünschen.
Dafür haben wir dann verschiedenste Bushido-Jackson-Grönemeyer-Lieder! Mit kostenloser Software zusammengestückelt. Juhu!
Ich bin dafür, wenn wir schon unsere Rechte nach fünf Jahren abgeben sollen, kann doch bitte alles Eigentum nach 5 Jahren gemeinfre sein. Dann nehme ich mir auch von meinem Nachbarn den Fernseher und die Limousine von Herrn Özdemir, inklusive Chauffeur versteht dich. Gehört ja allen…
Und danke für die Verlinkung + die Blumen
“Marcel Weiss von neunetz.com, ein Urheberrechtsgegner”
Wer nicht Urheberrechtsmaximalist ist, ist automatisch ein Urheberrechtsgegner?
@Isarmatrose: Über die 70 Jahre nach Tod des Urhebers könnte man mal diskutieren, das sehe ich auch so.
@Meike: Ja, oder wir machen eine Supermarktflatrate. Essen ist mindestens so wichtig wie Kultur
@Marcel: Ich dachte mir schon beim Schreiben, dass der Begriff Urheberrechtsgegner nicht gut ankommen wird. Kannst ja mal sagen, wie Du Dich lieber nennen würdest.
@Isarmatrose: Was passiert eigentlich mit der Heinrich-Böll-Stiftung, wenn das Urheberrecht auf die Lebenszeit verkürzt wird?
“Was wiederum dazu führt, dass die Masse der Filme, die heute illegal heruntergeladen wird, weiterhin geschützt bleibt (und damit bleibt das Herunterladen illegal – abgesehen davon, dass Leute, die einen Film sehen wollen, nicht fünf Jahren mit dem Herunterladen warten, nur weil es dann legal ist).”
Ich glaube Sie haben den Beschluss in diesem Punkt nicht richtig verstanden. Dies gilt nur für die kommerzielle Nutzung.
Nicht-kommerzielles Filesharing wollen die Grünen aber legalisieren. Das Herunterladen des Films aus einer P2P-Tauschbörse wäre damit legal! Nix mit 5 Jahre warten.
Urheberrechtskritiker trifft es vielleicht besser. Mir ging es aber nur darum, dass die Sicht, man sei entweder für das heutige Urheberrecht oder gegen das Urheberrecht allgemein, einen falschen Gegensatz produziert.
@Terobur: Stimmt – daran hatte ich tatsächlich nicht mehr gedacht, als ich diesen Absatz geschrieben habe.
@Marcel: Da hast du recht und ich will auch niemanden verteufeln. Es ist halt ein klassischer Interessenkonflikt. Natürlich habe ich mich beim Schreiben des Artikels über den Antrag geärgert und ich mache mir Gedanken, wovon ich leben soll, wenn das durchkommt. Während meines Studium hätte ich den Grünen-Antrag sicherlich noch begrüßt – damals dachte ich einfach aus einer anderen Perspektive darüber nach.
@Meike: Wer uns diesen Antrag als “erbärmlich” vorhält, aber offenkundig nicht weiß, dass bei den Grünen schon lange in diese Richtung diskutiert wurde, als die meisten über die Piratenpartei nur gelacht haben, disqualifiziert sich für einen politischen Diskurs. Wenn es nur noch um Pöbelei geht, stimmen wir einfach ab und schauen mal, wo die Mehrheit steht.
Dass die fünf Jahre, die im Leitantrag nur beispielhaft genannt wurden, immer vorangestellt werden und die Wahrheit dann erst hintenrum nachgereicht wird, macht die Sache auch nicht seriöser. Wer ein Patent anmeldet, zahlt vom ersten Tag an. Die Urheber sind schon in einer komfortablen Situation. Mag sein, dass heute 150.000 Leute von ihrer Urheberschaft leben. Aber vielleicht sind das auch einfach zu viele. Es gibt ja nun keinen Anspruch darauf, dass die Rechtslage so gestaltet wird, dass man selber ein Auskommen hat. Entscheidend ist, dass man zu einer Regelung kommt, die für die Gesellschaft insgesamt brauchbar ist.
Die Urheber haben sich durch die abartige aktuelle Rechtslage ein erhebliches Stück von der Marktwirtschaft entfernt. Für ein neues Werk soll ich genauso viel bezahlen wie für ein Jahrzehnte altes? Wo gibt’s denn so was? Natürlich ist es bequem, auf diese Weise Wettbewerb und Preisdruck zu vermeiden, aber ist es gerechtfertigt?
Wer sich 100 EUR im Jahr nicht leisten kann, verliert offenbar nur einen irrelevanten Betrag. Da braucht also niemand mit einer wegbrechenden Lebensgrundlage zu argumentieren, damit zerstört man nur die eigene Glaubwürdigkeit.
Es kann sich kein Industrieunternehmen dagegen wehren, dass die NPD seine Produkte nutzt. Dabei ist in dem Fall der Hersteller sogar klar erkennbar (der Urheber ist ja in aller Regel nicht allgemein bekannt). Soll jetzt die NPD nicht mehr Auto fahren dürfen, weil sich die Hersteller dadurch in ein schlechtes Licht gerückt sehen? “Ich will aber nicht” ist im allgemeinen kein überzeugendes Argument. Davon mal abgesehen wäre der einfachste Ansatz, eine differenzierende Lösung zu schaffen. Mit einem 0,1%-Argument die 99,9% im Regen stehenzulassen kann’s ja wohl nicht sein.
@Hauke: Es ist vollkommen egal, ob die Grünen eher als die Piraten darüber intern diskutiert haben oder nicht. Und falls sie tatsächlich schon so lange über das Urheberrecht nachgedacht haben, ist es erst recht erbärmlich, was dabei heraus gekommen ist.
Welche abartige Rechtslage denn? Dass man ein Recht darauf hat, für seine erbrachte Arbeit bezahlt zu werden? Wenn “die Gesellschaft” diese Arbeiten nutzen will, soll sie auch dafür bezahlen. Was ist daran abartig?
Und inwiefern sollte es denn keinen Wettbewerb und keinen Preisdruck gäben?
Kein Urheber bekommt ein bedingungsloses Einkommen. (Laut Künstlersozialkasse beträgt das monatliche Durchschnittseinkommen der versicherten Künstler 1.140 €.)
Bei einer Einschränkung des Urheberrechts würden nicht 100 Euro im Jahr wegfallen, sondern praktisch das komplette Einkommen.
Jetzt kommentieren!