Heute verkündete Amazon etwas Ungewöhnliches und grundlegend Neues: Die Eröffnung der Kindle Leih-Bibliothek.

In den USA können Amazon-Prime-Kunden, die ein Kindle besitzen, von jetzt an ein Kindle E-Book pro Monat herunterladen – ohne Rückgabefrist. Erst wenn der Nutzer ein neues Buch ausleiht, wird das alte “zurückgegeben”, sprich gelöscht.

Amazon Prime war einmal ein Service für kostenlosen Versand: Man zahlt 80 Dollar (hier 29 Euro) pro Jahr und alles, was man bei Amazon kauft, wird innerhalb von zwei Tagen kostenlos geliefert. Sicherlich ganz praktisch für Leute, die genug bei Amazon kauften, damit es sich lohnte.

Dann passierte etwas Merkwürdiges: Amazon startete einen Video-Streaming-Service und lizensierte mehr und mehr Filme und TV-Sendungen. Inzwischen kommt die Größe der Amazon-Videothek fast an die von Netflix heran und macht dieser damit direkte Konkurrenz. Was daran merkwürdig ist? Es ist kostenlos, wenn man ein Amazon-Prime-Kunde ist.

Kostenlose E-Books auf Kindle

Eine schöne Überraschung für Amazon Prime Kunden. Und jetzt bekommen sie kostenlose E-Books auf den Kindle. Kostenloser Versand, kostenlose Filme, kostenlose E-Books für 29 Euro im Jahr. Was hat Amazon vor?

Ein Konzept muss dahinterstecken, dann Amazon zahlt eine Menge Lizenzgebühren für die E-Books, die sie verschenken. Zwar haben sie dazu für die meisten Titel Sondervereinbarungen mit dem Verlagen getroffen – Amazon nimmt die Titel gegen eine feste Gebühr in das Programm auf – doch in einigen Fällen kauft Amazon den Titel jedes Mal, wenn er von einem Leser ausgeliehen wird, zu den Standardkonditionen.

Wow. Amazon bezahlt E-Books, um sie dann zu verschenken. Was haben die vor?

Mehr Kindles verkaufen

Der Service funktioniert nur, wenn man die E-Books auf den Kindle herunterlädt, nicht, wenn man die E-Books auf dem PC oder iPad lesen will. Klar: Amazon will mehr Kindles verkaufen.

Es geht aber sicherlich um mehr als ein paar Verkäufe, es geht um darum, eine marktbeherrschende Stellung zu erlangen.
Aus keinem anderen Grund verkauft Amazon den Kindle so günstig: Den Kindle gibt es schon ab 99 Euro, ein iPad kostet mindestens viermal so viel. Der Kindle hat allerdings nicht alle Funktionen des iPads. Deshalb bringt jetzt Amazon unterstützende Argumente pro Kindle auf den Tisch.

Mehr Bücher, Filme und Musik verkaufen

Der Kindle ist optimal darauf ausgerichtet, das Amazon-Angebot zu konsumieren. Kein Wunder, dass Amazon viele davon verkaufen will: Je mehr Leute einen Kindle haben, desto mehr laden ihre Bücher, Filme und ihre Musik bei Amazon herunter.

Ich sehe es zwar kritisch, wenn eine große Firma etwas verschenkt und frage mich, wird es für die Firma nicht mehr Vorteile haben als für mich? Warum sollte ich das mitmachen? Aber ich muss sagen, dass mir Amazon Prime in den USA sehr attraktiv scheint. Man darf gespannt sein, ob in Deutschland ähnliches kommen wird.