Cover der deutschen ÜbersetzungConnie Heermann, eine Lehrerin an der Perry Meridian High School in Indiana wurde für eineinhalb Jahre von ihrem Arbeitsplatz suspendiert, weil sie ihren Schülern das Buch “Freedom Writer’s Diary: How a Teacher and 150 Teens Used Writing to Change Themselves and the World Around Them” zu lesen gab.

Offensichtlich hatte der Schulausschuss von Perry Einwände gegen das Buch, weil es Kraftausdrücke enthält. Das “Freedom Writers Diary” ging aus einem kalifornischen Schulprojekt hervor. Dort hatte die Lehrerin Erin Gruwell das Projekt angestoßen, nachdem sie entdeckte, dass unter ihren Schüler eine rassistische Zeichnung von einem Schüler die Runde machte. In dem ärmlichen, innerstädtischen Schulbezirk kam es häufig zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen. Gruwell begann mit ihren Schülern eine Diskussion über Rassismus zu führen, ermutigte sie, die Bücher “Das Tagebuch der Anne Frank” und “Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo” zu lesen und inspirierte sie dazu, Tagebücher zu führen über Armut, Rassismus und Gewalt um sie herum und in der Schule Leistungen zu bringen, um später aufs College zu gehen. Das nonfiktionale Buch wurde von den Schülern selbst geschrieben, bekam hervorragende Kritiken und wurde zum Bestseller. Inzwischen gibt es sogar eine Verfilmung mit Hilary Swanks: The Freedom Writers Diary (DVD, englisch).

Soweit zum “Freedom Writers Diary” – wie lief die Suspendierung von Connie Heermann ab?

Connie Heermann hatte nach Erlaubnis gefragt, ihren Studenten das Buch vorstellen zu dürfen, nachdem sie einen Workshop der Freedom Writers Foundation besucht hatte. “Wenn man das Buch vollständig gelesen hat, sieht man, wie diese innerstädtischen Schüler wachsen und sich verändern, wie sie zu artikulierten, leidenschaftlichen und gebildeten jungen Menschen werden, die in ihrem Leben etwas Gutes tun wollen, trotz der Umgebung, in der sie aufgewachsen sind, ” sagte Connie Heermann gegenüber dem Guardian. “Ich dachte, dass meine Schüler sich mit diesen Kids gut identifizieren könnten.”

Der Schuldirektor stimmte zu und Heermann erhielt von fast 150 Eltern schriftliche Erlaubnis, doch der Schulausschuss der Perry Meridian High School hatte noch nicht zugestimmt – jedoch auch noch kein “Verbot” ausgesprochen, als Connie Heermann ihren Schülern das Buch aushändigte. Später an diesem Tag erhielt sie eine E-Mail des Schulausschusses, in der dieser ihr riet, das Buch nicht im Unterricht zu verwenden.
“Das war einer der Schlüsselmomente in meinem Leben, als ich gesehen habe, wie das Buch meine Schüler gepackt hat und wie sie es geliebt haben, und dann wird mir gesagt, ich solle es sie nicht lesen lassen? Ich habe nein gesagt”, sagte sie.

Nachdem man ihr zuerst mit Entlassung gedroht hatte, wurde sie schließlich für eineinhalb Jahre suspendiert.

Die Schulausschüsse und juristische Beobachter sagen, dass die Suspendierung von Connie Heermann nichts mit fehlender Meinungsfreiheit zu tun habe, sondern damit, dass sie die Anordnungen ihrer Vorgesetzten nicht beachtet hätte. Lehrkräfte meinen jedoch, dass es bei der Kontroverse um viel mehr geht als um eine einzelne Lehrerin.

“Das Problem ist gravierend”, sagt Mark Shoup von der Indiana State Teachers Association. Die Gruppe ist der Ansicht, dass Heermanns Suspendierung eine abschreckende Wirkung auf Lehrkräfte hat, die neuen, spannenden und mitreißenden Unterricht für ihre Schüler gestalten wollen.

“Es ist ein kalter Wind, der uns da entgegen bläst”, sagt Shoup. “Man fragt sich, was wird passieren, wenn ich solche Unterrichtsmaterialien mitbringe.”

Laut der American Library Association wird die Liste der verbotenen oder umstrittenen Bücher jedes Jahr länger. Neben Büchern mit offensichtlicher Gewaltverherrlichung finden sich darauf auch die Harry Potter Bücher und Klassiker wie John Steinbecks “Von Mäusen und Menschen“, James Joyces “Ulysses“, Mark Twains “Abenteuer des Huckleberry Finn“, Aldous Huxleys “Brave new world” und Isabel Allendes “Geisterhaus“.

Das umstrittene Buch bei Amazon:

Dass in den USA Bücher aus Schulen und Bibliotheken verbannt werden, ist keine Seltenheit – ich werde demnächst etwas darüber schreiben.