Die Buchmesse “Litera” in Linz steht vor dem Aus: dieses Jahr fand sie erstmals statt, machte Schulden und Negativschlagzeilen – die Vorbereitungen für 2009 sind inzwischen abgesagt. Und die diesjährige Litera wird ein gerichtliches Nachspiel haben.

Honorare und Preisgelder für Autoren wurden nicht gezahlt – Autorin zieht vor Gericht

Die Autorin Margit Schreiner fühlt sich um ihr Preisgeld betrogen: sie wurde für ihr Buch “Haus, Friedens, Bruch” mit dem Belletristikpreis der “Litera” ausgezeichnet und wartet bis heute auf ihr Preisgeld in Höhe von 5000 Euro. Auch ihr Honorar für zwei Lesungen hat sie nicht erhalten: der Veranstalter hatte vor der Messe gesagt, dass das Land Oberösterreich die Kosten dafür übernehmen werde – ob und unter welchen Bedingungen dieses die Lesungen fördern wollte, ist jedoch unklar. Margit Schreiner fühlt sich von den “Litera”-Veranstaltern bewusst in die Irre geführt und wendet sich deshalb mit einer Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft: “Ich möchte hiermit den Verdacht auf vorsätzlichen Betrug äußern.”

Auch weitere Autoren warten auf Geld: “Ich kenne ein Dutzend Autoren, die kein Honorar bekommen haben”, sagte Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren. Anfang Juni hatte die Litera den Autoren noch per E-Mail mitgeteilt, dass die Stadt Linz nachträglich einen Förderbeitrag für Autorenlesungen von 5.000 Euro bereitgestellt hatte – dieses Geld ist bei den Autoren anscheinend nicht angekommen, wie man ebenfalls im Literatur-Cafe lesen kann.

Die Hintergründe der Geschichte sind verworren:
Im Standard liest man, dass das Land Oberösterreich sich nie bereiterklärt habe, die Kosten für Autoren-Honorare zu übernehmen. Im nächsten Absatz heißt es dann, dass das Land angeboten habe, das Rahmenprogramm zu fördern und die Lese-Honorare an die Autoren direkt zu überweisen. Dazu müsste der Veranstalter jedoch die Honorarvereinbarungen vorlegen; das ist laut der Direktion Kultur des Landes Oberösterreich nicht geschehen. Für die eigentliche Buchmesse habe der Veranstalter überhaupt keinen Förderantrag eingereicht. Andere Institutionen hatten eine Förderung abgelehnt, weil der Veranstalter kein Konzept und keinen Wirtschaftsplan vorlegte.

Raum-Reservierung für 2009 wegen Zahlungsrückständen storniert

Das Design Center, in dessen Räumen die Litera stattfand, ist inzwischen wegen ausstehender Mietzahlungen vor Gericht gezogen und hat die Reservierung für das kommende Jahr storniert. Thomas Ziegler, geschäftsführender Direktor des Messezentrums, sagte gegenüber dem ORF: “Wir haben die offenen Forderungen eingeklagt und die Reservierung für die LITERA im kommenden Jahr gestrichen, weil ich ansonsten grob fahrlässig handeln würde”.

Laut ORF-Bericht akzeptierte der Litera-Veranstalter Berthold Greif die Stornierung nicht, während man beim Literatur-Cafe eine Äußerung von Greif lesen kann, dass bereits seit Monaten sei klar sei, dass man ohnehin ausziehen wolle. Inzwischen dürften solche Fragen obsolet sein: die Litera wird 2009 wohl nicht stattfinden.

Vorbereitungen für Litera09 abgebrochen

Die Vorbereitungen für die Litera 2009 sind offiziell abgebrochen, was sicherlich zu begrüßen ist. Die Reaktionen auf die Messe waren sowieso eher mäßig gewesen – in einem Bericht von der Messe kann man übrigens auch lesen, wie Greif und Mitarbeiter sich in dem Kommentaren zu diesem Artikel austobten – anscheinend können sie nicht besonders gut mit Kritik umgehen.

Wenn Linz also 2009 Kulturhauptstadt Europas ist (zusammen mit Vilnius), wird in der Stadt keine Buchmesse stattfinden. Aber: besser keine als solche Geschichten.