Tomas TranströmerDer Literaturnobelpreis 2011 geht an den schwedischen Poeten Tomas Tranströmer. Der 80-jährige Tranströmer gilt international als einer der bedeutendsten Lyriker unserer Zeit und seit Jahren als enger Anwärter auf den Literaturnobelpreis; seit 1993 wurde er jedes Jahr nominiert. Die Akademie begründete ihre Wahl mit den Worten, Tranströmer weise uns “in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen”. Akademiesprecher Peter Englund sagte in einem Interview “Man fühlt sich nie bedeutungslos, wenn man Tranströmer gelesen hat.”

Höchstmögliche Verdichtung von Sprachbildern

Kennzeichnend für Tranströmers Lyrik ist die höchstmögliche Verdichtung von Sprachbildern. Sein Gesamtwerk besteht aus weniger als 100 Texten. Die Gedichtbände wurden in 50 Sprachen übersetzt, auf deutsch sind sie ebenso wie seine Autobiografie übersetzt von Hanns Grössel beim Hanser Verlag erschienen. In Deutschland ist Tranströmer jedoch weitgehend unbekannt, der bekannte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki kommentierte, er könne sich nicht erinnern, den Namen Tomas Tranströmer schon einmal gehört zu haben. In Schweden hingegen sind Tranströmers Werke bekannt und geschätzt. Die Stadt Stockholm vergibt seit 1997 sogar einen nach ihm benannten “Tranströmer-Preis”. Kritisiert wird Tranströmers Lyrik dafür, dass sie nicht politisch sei: Seine zuversichtliche, wenig konfrontative Poesie leiste keinen Beitrag zu den Tagesdiskussionen.

Der Dichter Tomas Tranströmer

Tomas Tranströmer wurde 1931 in Stockholm in eine Journalistenfamilie hineingeboren. Er studierte in den 50er Jahren Psychologie, Literatur- und Religionsgeschichte und arbeitete später als Psychologe an einer Jugendstrafanstalt und beim schwedischen Arbeitsamt. 1990 erlitt er einen Schlaganfall, der eine halbseitige Lähmung und Aphasie nach sich zog. Tranströmer bedurfte einer längeren Rehabilitation, um wieder schreiben zu können. Seitdem hilft seine Ehefrau Monica Blath bei der Bearbeitung von Textentwürfen. Tranströmers Gedichte wurden nach dem Schlaganfall kürzer und thematisieren häufig das Verhältnis des Poeten zu seiner Sprache.

Der Literaturnobelpreis wird traditionell am 10. Dezember in Stockholm überreicht – am Todestag des schwedischen Stifters Alfred Nobel (1833-1896). Seit 1901 wurde er fast jedes Jahr vergeben.

Verleger Michael Krüger über Tomas Tranströmer

Michael Krüger, Verleger im Hanser Verlag, erzählt von seiner langjährigen Freundschaft zu Tomas Tranströmer:

(Foto oben von Andrei Romanenko, CC-Lizenz)