E-Book-ReaderDas Internet hat die Welt verändert – wer würde das noch bestreiten? Früher saß die ganze Familie Samstag abends bei “Wetten dass…?” vor dem Fernseher und am nächsten Morgen konnte man mit fast jedem, dem man begegnete, über die gestrigen Fernsehwetten diskutieren. In Internet ist das anders, niemand bindet uns an ein “Programm”, niemand trifft eine Vorauswahl, welche Sendungen sehenswert sind. Jeder kann auf einer eigenen Website erzählen, was ihm wichtig ist oder bei Youtube ein selbstgedrehtes Video hochladen. Und wir können uns genau das ansehen, was wir für wichtig oder interessant halten. Jedes Nischenthema hat in Internet eine Chance.

Veränderungen im Buchmarkt

Im Buchmarkt gab es bisher eine solche Vorauswahl: Ein Buch musste sich bisher “lohnen”, um einen Verlag zu finden, und das hieß, es musste eine reelle Chance bestehen, eine gewisse Stückzahl davon zu verkaufen. Grund dafür: Der Offset-Druck rentiert sich erst ab einer bestimmten Anzahl Exemplare, diese mussten also gedruckt und verkauft werden. Nun gibt es zwar seit einigen Jahren “Print-on-Demand”-Bücher, die im Digitaldruck entsprechend der Nachfrage gedruckt werden. Durch den Digitaldruck sind zwar kleinere Stückzahlen möglich, aber die Bücher sind teurer. Die Hürde für potentielle Leser war damit hoch: Wer gibt schon mehr Geld aus für ein Buch eines völlig unbekannten Autors als für einen aktuellen Bestseller?

Die Demokratisierung der Produktionsmittel

Die E-Books sind dabei, diese Schieflage ins Gleichgewicht zu bringen: Ein E-Book kann jeder veröffentlichen. Die digitale Revolution ist im Buchmarkt angekommen, die Demokratisierung der Produktionsmittel schreitet auch hier voran. Doch ein E-Book zu erstellen reicht nicht aus, um es auch zu verkaufen: Potentielle Leser müssen das Buch auch finden und kaufen können. An dieser Stelle kommt der Amazon Marketplace ins Spiel, wo jeder sein E-Book hochladen und verkaufen kann. Amazon bekommt etwa 40% von Buchpreis und baut damit seine Position im Buchmarkt aus: Der Verkauf von E-Books wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen; die Kontrolle dieses Marktes ist für jedes Unternehmen in der Branche strategisch bedeutsam. Die klassischen Ladengeschäfte sind beim Verkauf von E-Books außen vor; wer geht schon in eine Buchhandlung, um ein E-Book zu kaufen? Die oben genannte Demokratisierung der Produktionsmittel geht einher mit einer weiteren Konzentration auf der Ebene des Bucheinzelhandels.

Doch die Autoren können bei E-Books eine größere Marge vom Buchpreis bekommen als bisher: Während bei gedruckten Büchern höchstens 10% an den Autor gehen, können es bei E-Books auch 60% sein – wenn kein Verlag involviert ist. Dann allerdings müssen die Autoren alle Aufgaben eines Verlags übernehmen: Korrektur, Layout, Covergestaltung und vor allem das Marketing. Denn ein E-Book unter Millionen anderen findet nicht von allein Beachtung und Käufer.

Und die Leser?

E-Books werden oft schon für ein oder zwei Euro angeboten. Dadurch ist der Kaufpreis eines Kindles – den günstigen gibt es für 99 Euro – schnell wieder wett gemacht.

E-Book-Reader sind deutlich leichter und komfortabler als ein Bücherstapel. Das papierne Buch, bei dem man die Seiten noch anfassen kann, wird uns erhalten bleiben. Aber es war nie das Papier, welches das ganz besondere Gefühl ausmachte, sich abends mit einem Buch in einen Sessel zu lehnen und zu lesen – es waren immer die Inhalte.

(Foto von Jeremy Keith, CC-Lizenz)