Die Leiden eines Amerikaners - Siri HustvedtIn ihrem Roman “Die Leiden eines Amerikaners” verwebt Siri Hustvedt ihre Familiengeschichte mit fiktiven Charakteren und Ereignissen. Entstanden ist das Buch, wie Hustvedt selbst sagt, “letztlich aus meiner Trauer heraus”, der Trauer um ihren vor einigen Jahren gestorbenen Vater. Sie verwendet sogar Original-Tagebuchaufzeichnungen, die nahtlos in die Handlung einfließen.

Die Hauptfigur basiert auf meinem realen Vater, aber zugleich ist sie eine Figur, die ich erfunden habe.

—Siri Hustvedt

Die Hauptfigur ist Erik Davidsen, ein Psychiater und ein Psychoanalytiker in Brooklyn, ist geschieden, einsam und pflegt seine Neurosen. Nach dem Tod seines Vaters findet er dessen Tagebuch und viele Briefe und versucht, seinen Vater dadurch besser zu verstehen. Die Aufzeichnungen werfen jedoch neue Fragen auf, statt alte zu beantworten.

“Ich glaube, es ist ein Buch über das Seelenleben”, sagte Siri Hustvedt zu ihrem Roman und hat damit zweifellos recht. “Das Leiden eines Amerikaners” sind nicht nur die der Hauptfigur, sondern auch die seiner Patienten, seiner Schwester, die nur heimlich um ihren früh gestorbenen Ehemann weint, die der Eltern, die in der Wirtschaftskrise ihren Bauernhof verloren haben.

Mich interessieren die Mysterien der Seele. Pathologien geben uns einen Hinweis darauf, wie wir alle funktionieren, also darauf, was den Menschen zum Menschen macht.

—Siri Hustvedt

Siri Hustvedt hat einen ganz eigenen Schreibstil, den manche als “traumhaft” beschrieben haben. Ich muss zugeben, dass der Roman mich in seinen Bann gezogen hat, dennoch hat er mir nicht wirklich gefallen. Das liegt zum einen daran, dass ich eine gewisse Allergie gegen Psychoanalyse habe und auch anderen Richtungen der Psychologie sehr kritisch gegenüberstehe und vieles sehr anders sehe als Hustvedt. Deshalb fand ich mich in dem Roman nicht wirklich wieder.

Dazu kommt, dass das Thema der New Yorker Mittelschicht, insbesondere der New Yorker Psychiater und ihren kleinen und großen Seelenleiden meiner Meinung nach schon seit Jahren ausgelutscht ist. Das die Ereignisse des 11. Septembers in den Roman eingebaut wurden, wirkte auf mich eher gekünstelt. Insgesamt hätte ich mir mehr Handlung und weniger Psychologie, weniger Einzelgeschichten gewünscht – aber das wäre dann eben ein anderes Buch gewesen.

Insofern: “Die Leiden eines Amerikaners” ist kein schlechtes Buch, aber auch keines, dass man gelesen haben muss.

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