Daniel Kehlmann: "Die Vermessung der Welt" als Taschenbuch

Buch kaufen“Die Vermessung der Welt” von Daniel Kehlmann gibt es inzwischen als Taschenbuch und auch als Hörbuch.

Es ist schon einige Zeit her, dass ich “Die Vermessung der Welt” gelesen habe, aber da es mir gut gefallen hat, weise ich hier noch mal darauf hin. Sehr lesenswert, witzig, schräg und philosophisch nimmt der Roman den Leser mit ins späte 18. Jahrhundert.

In Daniel Kehlmanns Bestseller versuchen der Mathematiker Carl Friedrich Gauß und der Naturforscher Alexander von Humboldt beide auf ihre Weise, die Welt zu vermessen. Gefallen haben mir die Charaktere (ihr habt vielleicht schon festgestellt, dass ich ein Faible für “verschrobene” Charaktere habe; “normale” und langweilige Leute sehe ich täglich genug. Und wenn in unseren heutigen Alltag gefordert wird, dass Leute sich anpassen und “normal verhalten”, dürfen sie nur noch zwischen zwei Buchdeckeln ihre kleinen Schrullen ausleben. Es ist schließlich nicht normal, ein Mathematikgenie zu sein, es ist nicht normal, den Wink mit dem Zaunpfahl nicht zu verstehen, wenn jemand bestochen werden will, es ist nicht normal, in der Hochzeitsnacht aus dem Bett zu springen, um eine Formel zu notieren… es ist nicht normal. Stattdessen ist es witzig, skurril, sehr menschlich, lakonisch erzählt, immer gut zu lesen und dabei trotzdem philosophisch.

Und man wünscht sich, ein Quentchen dieser Welt ins eigene Leben hinüber retten zu können.

Hier noch zwei Absätze aus dem Buch (S. 154), über den Mathematiker Gauß:

Von allen Menschen, die er je getroffen hatte, waren seine Studenten die dümmsten. Er sprach so langsam, dass er den Beginn des Satzes vergessen hatte, bevor er am Schluß war. Es nützte nichts. Er sparte alle Schwierigkeiten aus und beliess es bei den Anfangsgründen. Am liebsten hätte er geweint. Er fragte sich, ob die Beschränkten ein spezielles Idiom hatten, das man lernen konnte wie eine Fremdsprache.

Die Prüfung besteht nur ein einziger von Gauß’ Studenten; Gauß ist entsetzt über ihre schwachen Leistungen.

Als Gauß den Tränen nah nach Hause kam, fand er dort nur ungebetene Fremde: einen Arzt, eine Hebamme und seine Schwiegereltern.

Alles habe er versäumt, sagte die Schwiegermutter. Wohl wieder den Kopf in den Sternen gehabt!

Er habe ja nicht einmal ein anständiges Fernrohr, sagte er bedrückt. Was denn passiert sei?

Es sei ein Junge.

Was für ein Junge denn? Erst als er ihrem Blick begegnete, verstand er. Und er wußte sofort, dass sie ihm das nie verzeihen würde.

Daniel Kehlmann bekam für diesen Roman den Lübecker Thomas-Mann-Preis, den WELT-Literaturpreis 2007 der “Literarischen Welt” und kürzlich auch den Per-Olov-Enquist-Preis.

“Die Vermessung der Welt” von Daniel Kehlmann wurde auch rezensiert von: